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Tipp für den Kurztrip: Das Erzgebirge und das Nummernschild

Datum: 15. März 202218. August 2025
Lesezeit: 5 min

Nummernschild und viel Natur

Im Süden des Freistaates Sachsen liegt das Erzgebirge – vom Montagepoint Zwickau aus ist es nur ein Katzensprung in die herrliche Natur, also ins Weihnachtsland und in die Wintersportgegend. Die Region ist ein Welterbe und in allen Jahreszeiten einen Besuch wert. Die Einheimischen sind übrigens erst verschlossen, dann aber sehr herzlich. Das Erzgebirge ist eben ein echtes „Herzland“. Unser spezieller Ausflugstipp für Naturfreunde: Der rund 800 Meter hohe, malerische Scheibenberg. Das Erzgebirge ist auch Bergbauregion. Wer sich beispielsweise auf die Spuren des Uranabbaus begeben will, sollte die Kreisstadt Aue besuchen. In der Zeche Wismut wurde das strahlende Material unter schwierigsten Bedingungen aus den Felsen herausgeholt. Aber auch Eisen-, Silber- und Zinnerze wurden gefördert. Der Besuch eines Heimspiels des Zweitligisten FC Erzgebirge lohnt übrigens auch – und das sogar kulinarisch. Denn der dort servierte Nudeltopf ist besser als (fast) jede Stadionbratwurst und längst Kult. Die Region bietet Kultur, Industriegeschichte, Sport – und Erholung, also Fahrradträger an die Anhängerkupplungen, Bikes rauf und dann wird eine der herrlichsten Gegenden Deutschlands erkundet. Einen Abstecher ins Nummernschildmuseum sollte man unbedingt einplanen. Warum? Das erzählen wir gleich. Vorher stellen wir den Ort vor, an dem die Kennzeichen gesammelt und präsentiert werden.

Die Kirche von Goßolbersdorf
Handwerkskunst aus dem Erzgebirge
Naturdenkmal „Sechs Linden“

Großolbersdorf – ein Tipp für Erholungssuchende

Großolbersdorf liegt im „Naturraum Mittelerzgebirge“ – und tatsächlich bietet es jede Menge herrlicher Natur. Im Osten grenzt es an den Bornwald, im Westen öffnet sich das Zschopautal. Im Norden liegt die Stadt Zschopau und im Süden kommt man nach Wolkenstein. Höchster Punkt des Ortes ist der Zeisighübel mit 642 Metern Höhe. Von dort aus hat meinen guten Blick auf die wunderschöne Gegend. Wege für Radler, Wanderer und Naturliebhaber umschließen den Ort. Man kann den Ausflug in diesen Teil des Erzgebirges auch mit einem Termin im Rameder Montagepoint verbinden – die nächste Spezialwerkstatt des Marktführers liegt im nur 75 Kilometer entfernten Zwickau.

Schickes P70-Cabrio aus der DDR
Früher DKW aus der jungen BRD
Multicar mit DDR-Nummernschild

Kennzeichen gibt es schon lang

Das Großolbersdorfer Nummernschildmuseum erzählt uns die Geschichte der Kennzeichen in Deutschland anschaulich und mit vielen Exponaten. Wir erfahren auch, wie alles begann: Bereits am 1. Oktober 1907 wurde der Verkehr offiziell beschildert. Für die damals 26 Länder des Deutschen Reichs führte man eine einheitliche Regelung für Autokennzeichen ein, verband das Prozedere aber – wie üblich – mit reichlich Bürokratie. Mit den Schildern wollte die Reichsregierung dem Chaos der zunehmenden Motorisierung durch motorbetriebene Kutschen entgegenwirken. Dank der eindeutigen Kennzeichnung jedes Automobils ließen sich tatsächlich unzählige Straftaten und Ordnungswidrigkeiten in Deutschland aufklären. Im Gegensatz zu den heutigen Kennzeichen enthielten die damaligen Schilder häufig Siegel aus Gummi und kamen aus privater Herstellung. Auf den ersten Kennzeichen fand man römische Ziffern und eine Zahlenfolge – I galt etwa für Preußen, II für Bayern, III für Württemberg. Danach kamen die Buchstaben für Ort und Regierungsbezirke. „IA“ stand für Berlin, und das Kennzeichen „IA-1“ sicherte sich ein Industrieller namens Rudolf Herzog. Sehr zum Ärger von Kaiser Wilhelm II übrigens, der eine andere Nummer wählen musste. 

Frühe westdeutsche Schilder
Hier befindet sich das Museum
Kennzeichen der DDR

Weimarer Republik, Drittes Reich und Nachkriegsdeutschland

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und zu Beginn der Weimarer Republik wurde das Nummern- und Buchstabensystem geringfügig überarbeitet. Die Nazis versahen die Kennzeichen dann offiziell mit dem Hakenkreuzemblem, behielten aber die „alte“ Logik des Aufbaus bei. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden farbige Autoschilder verwendet. Dies diente dazu, die Wagen den einzelnen Besatzungszonen zuzuordnen. Die Kennzeichen in der sowjetischen Zone waren weiß, die in der amerikanischen orange. In der französischen Zone gab es rote und in der britischen blaue Schilder. Im Jahr 1948 führten die Besatzungsmächte ein einheitliches System in Deutschland ein. Die Schilder besaßen weiße Schrift auf schwarzem Grund, die zuständige Zone wurde mit einer Buchstabenkombination vermerkt. Das Kennzeichen-System sollte so gestaltet sein, dass die ersten zwei Buchstaben das jeweilige Land beziehungsweise die Provinz angeben. „WB“ stand zum Beispiel für „Württemberg/amerikanische Zone“ oder „HA“ für „Hannover/britische Zone“.

Kennzeichen aus uralter Zeit
Sammlertreffen im Museum
Worte aus Nummernschildern

DDR und Bundesrepublik

Das weitgehend einheitliche System der Alliierten hatte in der DDR bis zum Jahr 1953 Bestand. Dann gab es in Ostdeutschland ein eigenes, neues Kennzeichen: Dazu wurde die DDR in 14 Bezirke eingeteilt, Ost-Berlin war quasi ein separater, 15. Bezirk. Zwei Buchstaben gaben den Bezirk an, anschließend folgten zwei Nummern, getrennt durch einen Bindestrich. Schon in den  1970er Jahren reichten die verfügbaren Nummern nicht mehr. Deshalb wurden drei Buchstaben und dreistellige Zahlen eingeführt. In der Bundesrepublik wurde das Nummernschild-System der Alliierten erst zum Jahr 1956 abgeschafft. Danach folgte das noch heute aktuelle Kfz-Kennzeichen-System, das nach der Wiedervereinigung im Jahr 1991 auf Gesamtdeutschland ausgeweitet wurde. Mittlerweile sind in etlichen Regionen auch wieder „alte“ Kennzeichen möglich, die aufgrund von „Flurbereinigungen“ und „Landkreis-Neuordnungen“ entstanden. Den ersten, beziehungsweise maximal die ersten drei Buchstaben geben die Stadt oder den Landkreis wieder – es beginnt mit „A“ für Augsburg (Bayern) und „AA“ für Aalen (Baden-Württemberg) und „AB“ für Aschaffenburg (Bayern) und endet mit „ZR“ für Zeulenroda (Thüringen), „ZW“ für Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) und „ZZ“ für Zeitz (Sachsen-Anhalt).

Frühes griechisches Nummernschild
Zeichen des österreichischen Präsidenten
Republik Libanon – kurz „RL“

Das Museum – eine spannende Sache

Das Nummernschildmuseum von Großolbersdorf wird von einem rührigen Verein geführt. Auf rund 350 Quadratmetern erzählt man sich die spannende Geschichte, nicht nur von der Entwicklung von Nummernschildern – sondern präsentiert auch Verkehrszeichen, widmet sich der Zulassung von Kraftfahrzeugen und der Historie der Fahrschulen in Deutschland. Nummernschilder aus aller Herren Länder gehören ebenso zur Sammlung wie Anekdoten und skurrile Fakten rund ums Thema. Dieses Verkehrsmuseum der anderen Art ist normalerweise werktags von 9:00 bis 15:30 Uhr geöffnet, fachkundige Führungen sind auf Anfrage möglich.

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Bildnachweise

  • Nummernschildmuseum Großolbersdorf
  • Museum Mobile Ingolstadt
  • Pappenforum
  • Felix O
  • Wikimedia/Aagnverglaser
  • Stadt Großolbersdorf
  • Gerhard G./Pixabay

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