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Der Sound für die Fahrt ins Grüne

Datum: 25. April 201828. Juli 2025
Lesezeit: 5 min

Prince: „Nothing Compares 2U“

Dieses Lied ist bekannt, denn die Irin Sinéad O’Connor machte es 1990 zum Welthit. Geschrieben hat es aber der vor rund zwei Jahren verstorbene Großmeister Prince bereits in den 1980er Jahren – und ursprünglich für eine relativ talentfreie Formation namens The Family. Nun ist eine Originalaufnahme veröffentlicht worden, die aus dem Jahr von 1984, stammt. Und siehe da: Der Meister gibt der traurigen Ode an die Verflossene einen sehr eigenen Sound und eine sehr verletzliche Ausstrahlung. „Nothing Compares 2U“ klingt, als stamme  es vom 84er Album „Purple Rain“ und vermutlich entstand es während der Aufnahmesessions dazu. Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Außer: Möge es noch viele solche Perlen aus dem riesigen Nachlass des „Kleinen Prinzen“ geben.

Das Album dazu: Gibt es (noch) nicht, also hört die CD „Purple Rain“. Für Fans von Janelle Monáe

Reinhold Beckmann & Band: „Die Zeiten sind obskur“

Er war Talk-Gastgeber und Sportfernsehen-Erneuerer, der 1956 im norddeutschen Twistringen geborene Reinhold Beckmann. Aber tief in seinem Herzen war der Mann, der uns zuletzt wirklich brisante Dokumentationen schenkte, wohl immer schon Musiker. Wie weit diese Liebe zurückgeht, zeigt sein zweiten Album „Freispiel“, denn da erzählt er lässig-launig Autobiografisches. Besonders funkelnd: „Die Zeiten sind obskur“, ein Bob-Dylan-Cover. Man kann Dylan transkribieren, wenn man es kann – und Beckmann kann. Nicht nur, dass er mit „Times Have Changes“ eben nicht einen Sixties-Klassiker, sondern einen coolen Song von 2006 wählt, er trifft auch sehr persönliche Worte. „Die Menschen sind verrückt, die Zeiten sind obskur“. Stimmt wohl.

Das Album dazu: „Freiraum“. Für Fans von Element Of Crime

Leon Bridges: „Beyond“

Leon Bridges stammt aus Georgia und ist gerade mal 28 Jahre jung. Das ist ein wichtiger Umstand, denn der Mann klingt dermaßen nach „klassischem Soul“ der 1960er, dass man kaum glauben kann, dass er bei seinem Debüt „Coming Home“ im Jahr 2015 erst 25 Jahre auf dem Buckel hatte. Damals machten Songs wie „Better Man“ oder eben „Coming Home“ Lust auf mehr, aber der Jungspund ließ uns warten. Gut, bei Nick Waterhouses „Katchi“ singt er mit und war auch sonst immer wieder mal zu hören. Aber der erste eigene Song kommt erst jetzt auf uns zu: „Beyond“ ist flirrend und heiß, verweist mit modernen Mitteln auf die „gute alte Zeit“ des Soul – und ist der Vorbote auf das am 4. Mai erscheinende Album „Good Thing“.

Das Album dazu: „Good Thing“. Für Fans von Otis Redding

Scott Matthew: „End Of Days“

Man muss diesen Mann live gesehen haben, und dazu hat man im Mai unter anderem in Köln, Dresden, Leipzig, Frankfurt, Linz oder Mannheim auch Gelegenheit. Noch besser wäre es nur, man sähe ihn in seiner australischen Heimat. Aber da ist er selten, denn er schreibt seine Songs von New York aus. Aber nach urbaner Hektik klingt das sechste Album „Ode To Others“ nicht. Es ist verhalten, romantisch und doch auch unbeschwert. Matthew erzählt private Dinge und verpackt sie in wunderbare Melodien. Selbst Politik ist privat: In „End Of Days“ singt er, dass er und die Menschen, die ihm was bedeuten, auch den amtierenden US-Präsidenten überleben werden. Ein Trost, denn noch ist nicht aller Tage Abend.

Das Album dazu: „Ode To Others“. Für Fans von Thom Yorke

Bazzi: „Myself“

In Bayern gibt es den Begriff „Bazi“, und der bezeichnet ein ziemliches Schlitzohr. In puncto Komposition ist der Amerikaner Andrew Bazzi auf jeden Fall eines, denn er weiß ganz genau, wie er unsere Gehörgänge auf positive Weise erreicht. Sein eben erschienenes Debütalbum „Cosmic“ enthält all die Pop-Perlen, mit denen er für gute Laune sorgt. Dass diese Lieder – etwa „Mine“, „Why“ oder „Honest“ länger als üblich haften bleiben, spricht für deren Qualität. „Myself“ ist ein echter Hit, man wird ihn in diesem Sommer öfter hören. Ein schleichender, wiegender Beat trifft auf eine sehr eingängige Melodie. Dass Bazzi speziell im Refrain klingt, als hätte er noch den letzten Bissen vom Frühstücksbrötchen im Mund, ist momentan normal. Zayn machte das ja am Schluss von „I Don’t Wanna Live Forever“ auch so…

Das Album dazu: „Cosmic“. Für Fans der Chainsmokers

IAMJJ: „Super Hero Eva“

IAMJJ kommt aus Dänemark, aber seine Referenzen liegen irgendwo bei Nick Cave oder Leonard Cohen. Dass er aber auch auf urbane Grooves steht, merkt man seinen Songs auch an. Also ist die Mischung dieses Künstlers doch recht eigen. Im Vorprogramm der isländischen Band Kaleo („Way Down We Go“) konnte man sich von der Qualität seiner ungewöhnlichen Songs überzeugen. Wenn man sich darauf einlassen wollte. Dazu passt, was IAMJJ dem Magazin Rolling Stone sagte: Ich will entschiedene Musik machen. … Die Leute sollen sie entweder haben wollen oder sie verbrennen wollen.“ „Super Hero Eva“ ist schwungvoll, aber schon der Start mit seiner Western-Twang-Gitarre führt gezielt in die Irre. Denn eigentlich ist es ein durchaus Club-tauglicher Track. Ach – und die Buchstabenkombination IAMJJ wird in den Weiten des Webs von Jungs verwendet, die meinen, dass sie für eine Lady die bestmögliche und daher einzig mögliche Wahl darstellen. Ganz schön eingebildet…

Das Album dazu: „Bloody Future“. Für Fans von Nick Cave & The Bad Seeds

George Ezra: „Only A Human“

Richtig, ein Lied namens „Human“ hatten wir erst im Jahr 2016 – und was für ein Riesenhit war das damals. „Only A Human“ hat jedenfalls eine ähnliche Botschaft und eine ähnlich nette Melodie. Der Song stammt vom zweiten Album von George Ezra. Der Brite wird im Juni erst 25, klingt aber wie ein alter, weiser Mann. So würde Morgan Freeman geklungen haben, hätte er im Spätherbst seines Lebens für uns gesungen. Aber Ezra, der uns vor vier Jahren schon „Budapest“ oder „Blame It On Me“ bescherte, stammt aus Bristol, ist hellhäutig und steht erst am Anfang seiner Karriere. Aber um die muss man sich keine Sorgen machen, denn das zweite Album „Staying At Tamara’s“ bietet wieder einige Gassenhauer – etwa „No Matter Now“, „Paradise“ oder eben „Only A Human“.

Das Album dazu: „Staying At Tamara’s“. Für Fans von Rag’n’Bone Man

Fazit:

Raus geht’s, hängt den Fahrradträger an und nehmt die Bikes mit. Der Weg ins Grüne ist vielleicht nicht das Ziel, aber diese Songs versüßen die Wartezeit.

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Bildnachweise

  • Porsche Presse

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