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Mobilität im Osten – die Autos der DDR, Teil I

Datum: 10. August 202119. August 2025
Lesezeit: 6 min

Startbedingungen für die Mobilität

Betrachtet man die Möglichkeiten aus dem Blickwinkel der Vorkriegszeit, wären die Voraussetzungen für eine hochmoderne Mobilität gegeben gewesen. Speziell Sachsen und Thüringen hatten eine große Tradition im Fahrzeugbau und jede Menge Know-how: Die Auto Union war hier mit ihren Marken DKW (in Zschopau), Audi und Horch (in Zwickau) und Wanderer (in Schönau bei Chemnitz) beheimatet. Außerdem produzierten BMW in Eisenach, Framo in Frankenberg oder Ostner (O.D. Lieferdreiräder in Brand-Erbisdorf) Fahrzeuge und mit Gläser war eine der großen Karosserie-Manufakturen in Dresden beheimatet. Nicht vergessen darf man bei der Aufzählung die Motorradindustrie, etwa mit Simson in Suhl oder Vomag in Plauen. Im Krieg wurden die Industrieanlagen weitgehend zerstört. Was noch funktionierte, demontierte – anders als bei den Westalliierten – die Siegermacht. Viele Ingenieure und Wissenschaftler wechselten bereits 1945/46 in die Westzonen. Außerdem leistete die DDR bis ans Ende ihrer Existenz Reparationszahlungen an die UdSSR, hatte mit Rohstoffmangel, Devisenknappheit und engstirnigen Politikern zu kämpfen. Wie diese Umstände die Autoproduktion bremsten, erzählen wir in einem separaten Kapitel. Eine Feststellung vorweg: Die möglichen Nachfolger für Trabant, Wartburg 353 oder Barkas waren durchaus innovativ, oft sogar der Zeit voraus. Sogar mit den tschechischen Nachbarn konzipierte man moderne Fahrzeuge.

Wichtiger Teil der Mobilität: Zweiräder von Simson aus Suhl – hier eine SR2

IFA – ein Erbe der Auto Union

Im Industrieverband Fahrzeugbau – kurz IFA – waren generell alle Betriebe zusammengefasst. Als eigene PKW-Marke existierte IFA nur bis 1953. Die Automobilproduktion im ehemaligen Audi-Werk in Zwickau startete 1949 mit dem F8. Von DKW übernahm man nicht nur die Namensgebung, also das „F“ mit der Modellnummer, sondern gleich das ganze Fahrzeug. Der Ur-F8 mit dem Zweitakter der DKW Meisterklasse und mit hinterer Starrachse wurde 1939 eingeführt, der praktisch baugleiche DDR-F8 erst 1949. Vorher war man, wie überall in Deutschlands Autobetrieben, mit Instandhaltung von Militärfahrzeugen und Wiederaufbau beschäftigt. Von 1949 bis 1955 wurde der F8 in Zwickau gebaut. Die Cabrios stammten allerdings – wie später auch beim Wartburg – vom Karosseriebau Dresden, wie Gläser nun hieß. Der Nachfolger des F8 war der F9, auch er basierte auf den Vorkriegs-DKWs und auch er wurde schon von der Auto Union konzipiert. Der rundliche Zweitakter wurde bis 1956 gebaut, sogar erfolgreich nach Schweden exportiert. Die letzten drei Jahre entstand er als EMW 309 im ehemaligen BMW-Werk in Eisenach. Interessanterweise haben Auto-Union-Ingenieure Kopien der Unterlagen des F9 mit in den Westen genommen: In Ingolstadt produzierte man daher ein fast identisches Fahrzeug – den DKW F89/F90. Als DKW 3=6 (F93) und 1000 (F94) hielt sich die Grundform sogar bis ins Jahr 1963. Doch zurück in die DDR: Auch der uralte F8 war noch lange erhältlich, allerdings mit moderner Pontonform: Der AWZ P70 war durchaus schick, stand „klassisch“ auf einem Holzgerüst, war aber wie sein Nachfolger schon mit Kunststoff (Duroplast) beplankt. Besonders hübsch und immer schon selten ist das P70 Coupé.

IFA F8 – auch neu ein Oldie
IFA F9, eine DKW-Konstruktion
DKW F89: Westverwandschaft
AWZ P70 Coupé: Modern, schnittig und heute gesucht

Der Volkswagen des Ostens – ein echter Begleiter

Noch vor der Wende bekam der Trabant einen Viertakter spendiert. Da, 1990, war es aber zu spät für ein Fahrzeug, das seit mehr als 30 Jahren gebaut und im Verlauf der Jahre immer rückständiger wurde. Den Trabbi wollte damals schlicht keiner mehr haben. Jetzt allerdings besinnt man sich in Liebhaberkreisen auf seine Nehmerqualitäten. Der Name wurde seinerzeit mutig gewählt: Die Menschheit strebte ins All, die Sowjets hatten ihren Sputnik und die Reise zum Erdtrabanten war zum Greifen nah. Der 1957 von den traditionsreichen Automobilwerken Audi und Horch gebaute P50 war damals durchaus auf der Höhe der Zeit. Der Kleinwagen besaß, auch aufgrund von Lieferschwierigkeiten bei Stahl, eine moderne Kunststoffkarosserie. Während Ingenieure immer wieder an einem Nachfolger dachten, wurde der Trabant in kleinen Schritten weiterentwickelt. Besonders der von 1964 bis 1990 produzierte 601 kam in den Genuss verschiedenster Modifikationen – die lange Bauzeit machte dies dringend nötig. Den „Trabbi“ gab es als Limousine, offenen Kübelwagen Tramp und als praktischen Universal-Kombi. Übrigens: Der West-Volkswagen wurde bis 2003 gebaut, zuletzt allerdings nur noch in Mexiko.

Ur-Trabant: P50
Trabant 600 mit Heckflösschen
Der 601 als Tramp

Wartburg – auch ein DKW und doch mehr

In Eisenach wurde ab 1955 eine sehr ansehnliche und damals auch optisch fortschrittliche Mittelklasse-Baureihe als Nachfolger des IFA F9 produziert: Der Wartburg 311 mit bis zu 50 PS starkem Zweitakter stand zwar auf der Plattform des F9, aber seine Pontonkarosserie war größer und bot deutlich mehr Platz. Es gab den 311 als Standardlimousine (311/0), edle Luxuslimousine (311/1), Kabriolett (311/2), Coupé (311/3), Polizei-Kübelwagen (311/4) oder Campinglimousine mit Faltdach (311/5). Auch zweckmäßige Kombis (311/9), Pick-ups (311/7) oder die Sport-Varianten (313 – aber nur bis 1960) wurden gebaut. Speziell für den britischen Markt entstanden rechtsgelenkte Modelle (311/6). Den „Knight“, wie der Wartburg auf der Insel hieß, verbot man allerdings 1974 wegen des Zweitakters. Von 1965 bis 67 fertigte man das fast baugleiche „Übergangsmodell“ Wartburg 312. Dann kam der 353. Dieser sachlich-eckige Wagen basierte auf einer Studie aus dem Jahr 1962, übernahm vom 312 unter anderem Einzelradaufhängung, Schraubfedern und das wartungsfreie Fahrwerk. Der bis 1989 gebaute Wartburg war als viertürige Limousine, als Pick-up und unter dem Namen „Tourist“ als sehr beliebter Kombi im Angebot. Von 1989 bis 1991 fertigte man in Eisenach den Wartburg 1.3. Dabei handelte es sich um den 353 mit Viertaktmotor des VW Golf. Übrigens: Bereits in den 1970er Jahren verhandelte Volkswagen mit der DDR-Führung über die Lieferung von Motoren.

311 Limousine, schick zweifarbig
Wartburg 312 als Kombi
Kantig und gut – der 353

Luxus im Osten

Eisenach war vor dem Krieg ein Standort von BMW. Deshalb produzierte man dort ab 1949 den BMW 340. Die repräsentative Limousine basierte auf dem BMW 326 und wurde von einem 54 PS starken Sechszylinder angetrieben. Den schnittigen Vorkriegsroadster 327 fertigte man ebenfalls in kleiner Serie. Weil aber BMW gegen die Benutzung von Namen und Logo klagte, entstanden die Fahrzeuge ab 1951 unter der Bezeichnung EMW (Eisenacher Motorenwerke). Das Propeller-Emblem wechselte konsequenterweise die Färbung von Weiß-Blau in Weiß-Rot. Einen Nachfolger bekam der 340 nicht. 1955 endete nicht nur die Fertigung des Modells, sondern auch der Markenbezug zu BMW. Autos rollten in Eisenach aber weiter vom Band – vom IFA F9 bis zum Wartburg 1.3. Echte Oberklasse bot von der 1956 bis 1959 bei der VEB Horch Kraftfahrzeug- und Motorenwerke Zwickau gebaute Sachsenring P240. Dementsprechend blieb der repräsentative Wagen, den es auch als Cabrio und Kombi gab, den Kadern der Partei vorbehalten. Die kamen dann in den Genuss von Komfort und einem 80 PS starkem Sechszylinder-Triebwerk. Mit dem P240 ging nebenbei auch die Zeit der edlen Fahrzeuge der Marke Horch zu Ende.

EMW 340 – Eisenacher Bayer
Sachsenring P240, der letzte Horch

Fazit und Ausblick

Wer mehr über die Historie des Automobilbaus erfahren will, sollte zum Beispiel das August Horch Museum in Zwickau besuchen. Hier erlebt man hautnah und im passenden Ambiente, wie Sachsen zum Zentrum der Fahrzeugproduktion wurde und wie sich die Zeitströme auf Menschen und Fertigung auswirkten. Unsere kleine Reihe wird demnächst mit Liefer- und Lastwagen fortgesetzt. Es geht dann um Framo, Barkas, IFA, Robur und Multicar. In der abschließenden Folge schauen wir dann auf die Innovationen, die nicht produziert werden durften oder konnten.

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Bildnachweise

  • Melkus, Dresden
  • Hans Benn/Pixabay
  • Oldtimerfreunde Langenau
  • Thorsten Maue/Wiki
  • museum mobile Audi
  • Pappenforum
  • Trabantteam Freital
  • IFA Freunde Rostock
  • August Horch Museum
  • Uwe Thiel/Pixabay
  • Michael Kauer/Pixabay
  • Ralf Roletschek
  • Fahrzeugbilder.de

2 Kommentare zu “Mobilität im Osten – die Autos der DDR, Teil I”

  1. Ralf Zschoche sagt:
    18. August 2021 um 14:31 Uhr

    Das erste abgebildeten Fahrzeug ist kein SR1,sondern ein SR2 !!!

    Antworten
    1. Manfred Prescher sagt:
      20. August 2021 um 10:50 Uhr

      Lieber Herr Zschoche, ich danke Ihnen für die Korrektur. Wir verbessern das sofort aus. Ich hoffe, dass Sie mir (Westdeutschem mit Liebe zu ostdeutschen Fahrzeugen) das nachsehen und ansonsten zufrieden sind. Denn es wird ja noch zwei Fortsetzungen geben. Herzlichen Dank und liebe Grüße.

      Antworten

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