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Die Autos von 1972

Datum: 16. Dezember 202119. August 2025
Lesezeit: 6 min

1972 – ein besonderes Jahr

Turbulent, wegweisend – und das von Beginn an: Schon am 2. Januar ging es los: Da trat das Transitabkommen zwischen der BRD und der DDR in Kraft. Es gilt heute als zartes Zeichen einer Entspannungspolitik, die das Jahrzehnt prägen sollte. Watergate und Vietnamkrieg, die olympischen Spiele von München und die Geiselnahme in der israelischer Delegation, bei der elf Sportler, fünf Terroristen und ein Polizist starben. Die Welt schien mal wieder am Abgrund zu stehen. Sport hatte seine Unschuld wohl endgültig verloren. Kurz zuvor war noch „die beste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten“ Fußballeuropameister mit 3:0 gegen die UdSSR Europameister geworden. Mit Maier, Beckenbauer, Netzer, Hoeneß, Müller, Breitner. 1972 kam die erste Spielekonsole (Odyssey) auf den Markt, startete – mit sechs Jahren Verspätung – „Raumschiff Enterprise“ im Fernsehen, Vicky Leandros gewann für Luxemburg den Grand Prix, Emerson Fittipaldi wurde Formel-1-Weltmeister und das Wort des Jahres war „aufmüpfig“. Aufmüpfig wurden auch die japanischen Autohersteller, denn nach Honda (1968) und Toyota (1971) startete nun auch Datsun/Nissan mit dem Angriff auf den deutschen Markt. Die restlichen Firmen sollten rasch folgen.

Auf nach Deutschland: Toyota Carina
1972er Datsun Sunny im Renntrimm

Renault 5, der nette Giftzwerg

Zusammen mit dem pfiffigen Mini-Kombi R4 war der Renault 5 lange der größte Erfolg des französischen Konzerns. Schon vom Start weg verkaufte sich der Kompakte sehr gut – und das sogar in den USA. Dort wurde er als „Le Car“ angepriesen. In Deutschland nannte ihn die Werbung in den 1980er den „kleinen Freund“. Anfangs gab es den R5 nur als Dreitürer, der praktische Fünftürer folgte erst 1977. Die Motorisierung startete mit 900 Kubikzentimeter und 34 PS, was reichte, um den nicht mal 750 Kilogramm leichten Wagen im Verkehr mitschwimmen zu lassen. Während der Bauzeit von immerhin 13 Jahren wuchs die Auswahl der Triebwerke: Die Spitze markierten der R5 Alpine (108 PS) und der wilde R5 Turbo (160 PS). Motorsportfans denken immer noch gern an den „Backenturbo“, der auf allen Strecken räuberte. Die zweite Serie des R5 wurde von 1984 bis 1996 gebaut, für 2022 ist ein Remake des „Kleinen“ angekündigt – als schickes Elektroauto.

Kompakte Eleganz – R5
Praktisch ist er auch noch
Zeitlose Form von 1972

Der stärkste BMW E9 – der 3.0 CSL

Die Allgäuer Fahrzeugschmiede Alpina setzte bereits 1968 einen auf 250 PS leistungsgesteigerten 2800 CS beim 24-Stunden-Rennen im belgischen Spa ein. Große Erfolge konnte man leider nicht feiern, denn die Fahrzeuge der Konkurrenz waren rund 300 Kilogramm leichter. Deshalb entwickelte Alpina im Auftrag von BMW eine leichtere Version – und die konnten man dann als 3.0 CS Coupé mit 180 PS Leistung auch kaufen. Die endgültige Wende zur Motosportikone verdankt das Modell dann dem Bob Lutz. Der Amerikaner wurde 1972 Vertriebschef und betrieb die Rückkehr der Marke in den Tourenwagensport. Es entstand der 3.0 CSL mit 206 PS. 1973 verlieh BMW dem Auto Flügel, was ihm den Spitznamen „Batmobil“ einbrachte. Im Motorsport war der 440 PS starke E9 kaum zu schlagen und 1975 startete mit diesem Modell die „Art Car“ Serie, die man heute im BMW-Museum bewundern kann. Der Bildhauer Alexander Calder gestaltete das erste Fahrzeug. Von der BMW-Ikone entstanden 939 Exemplare, davon 500 mit Rechtslenkung. 3.0 CSL sind heute sehr gesuchte Oldtimer.

Noch ohne Flügel: 3.0 CSL
Alexander Calders Kunstwerk
Art Car mit viel Power

 Fiat 127 – das „Auto des Jahres 1972“

Im Mai 1969 verunglückte der Autodesigner Pio Manzu auf der Autobahn tödlich. Der 30-jährige Italiener war gerade auf dem Weg zur Präsentation des von ihm gestalteten Fiat 127. Den Erfolg seiner bahnbrechenden Schöpfung bekam Manzu also leider nicht mehr mit.  Sein 127 wurde als Nachfolger des knuffigen 850 vorgestellt und maß kompakte 3,60 Meter. Der Golf von 1974 war nur zehn Zentimeter länger. Als der Fiat dann im März 1972 auch die große Heckklappe bekam, nahm er Optik und Nutzwert des Wolfsburgers vorweg. Den Antrieb teilte sich der 127 mit dem kantigen 128 und der „Rennnsemmel“ Autobianchi A112: 903 Kubikzentimeter Hubraum und 47 PS Leistung. Offiziell weniger PS waren es in Deutschland. Hier wurde die Leistung aus Versicherungsgründen mit 45 PS angegeben. Gebaut wurde der 127 bis 1987, unter anderem auch in Brasilien, Argentinien, Polen, Spanien und Jugoslawien. Die Stufenheckversion namens Oggi blieb eine Randnotiz.

Auto des Jahres 1972
Praktisch, aber kein Golf
Design und Funktion als Vorbild

D steht nicht für Diesel – sondern für den Opel Rekord

Tatsächlich war der Rekord D der erste Opel, den es auch mit Selbstzünder gab. Man nennt das wohl „Produktvielfalt“ – und die war möglich, weil der Vorgänger mit seinem Coke-Bottle-Design mehr als 1,2 Millionen Mal vom Band rollte. Überhaupt: 1972 lag Opel in der Zulassungsstatistik mit einem Marktanteil von 20,4 Prozent vor Volkswagen. Im Gegensatz zum eher amerikanisch anmutenden Rekord C, fährt der Nachfolger kantig-europäisch vor. Das kam in der Presse und bei den Kunden an. Das Auto bringe „frischen Wind in die Gesellschaft“ heißt es im Pressetext. Der Neue bot mehr passive Sicherheit, etwa durch Knautschzonen oder Verstärkungen im Dach und in den Flanken. So innovativ war die Motorisierung freilich nicht: Bis auf den Diesel, der sogar zwei Weltrekorde aufstellte, sind alle Aggregate Weiterentwicklungen des Vorgängers. Das gilt auch für die Antriebe der Luxus- und Sportversion Opel Commodore B.

Kantig und gut: Rekord D
Einfach glänzend: Rüsselsheimer Limousine
Mit vier Türen für die Familie

Ford Consul und Granada – ein Schiff wird kommen

1972 galt Ford als zuverlässig, aber technisch bieder und stilistisch opulent. Es musste sich etwas tun und deshalb ersetzten Consul/Granada in Deutschland die eher schlecht verkauften 17 M/20 M/26 M (P7a/P7b) und in Großbritannien die Modelle Zephyr und Zodiac. Zu einem möglichst erschwinglichen Preis sollen die Autos viel Platz, Komfort und Ausstattung bieten. Der 1972er Consul/Granada war dann auch das Ergebnis einer Investition von 500 Millionen D-Mark und der Kooperation der Ford-Dependancen in Köln und im englischen Dunton. Heraus kamen zwei Modelle mit identischem Gesicht: Der „gut bürgerliche“ Consul und der vornehmere, weil edler ausgestattete Granada. Einmalig war seinerzeit die Vielfalt bei den Karosserieoptionen: Neben der viertürigen Limousine wurde ein coupéhafter Zweitürer im Stil des Mustang Fastback und das praktische Platzwunder, der Kombi namens „Turnier“, angeboten. Der Kunde konnte aus einer Vielzahl von Motor- und Ausstattungsvarianten sein Wunschauto zusammenstellen. Ab 1975 wurden die Modelle Consul und Granada zusammengeführt, von 1977 bis 1985 baute Ford die zweite Generation Granada gebaut. Uwe Bahnsen designte die Karosserie so um, dass sie kantig und neu wirkte. Letztlich war der Granada II aber nur ein etwas größer ausgefallenes Facelift. Fords Granada wird mittlerweile von einer eingeschworenen Fangemeinde kultisch verehrt. Warum? Weil er einfach zu reparieren und riesengroß ist? Das auch. Der große Ford bietet nun mal alles, was man zum Cruisen im Alltag braucht. Die stärksten Versionen sind mit 138, 150 oder 160 PS auch heute noch flott unterwegs.

Bürgermeister von Ford
Limousine und Fastback-Coupé
Praktische Länge: Granada Turnier

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Bildnachweise

  • Renault Presse
  • Toyota Presse
  • Nissan Heritage
  • Auktionshaus Dorotheum München
  • BMW Presse
  • Stellantis Presse/Fiat
  • Opel Presse
  • Ford Presse

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